Hilda und der Frostpalast

9 Aufrufe Dienstag, 27. Oktober 2026

Lena entdeckt im Stadtpark eine geheimnisvolle Tür und erlebt mit ihrem Hund Bruno ein Abenteuer, bei dem sie lernt, wie wichtig Mut und Freundschaft sind.

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Klirrend rutschte ein Eiswürfel über das Blech. Hilda fing ihn mit einem Löffel auf, bevor er über den Rand schlittern konnte. Dann setzte sie ihn zwischen zwei schmale Türme und drückte ihn vorsichtig fest. Ein Tropfen Wasser genügte als Mörtel. Im Gefrierfach würde daraus eine feste Verbindung werden. Auf zwei kleinen Metallplatten wuchs ihr Palast: mit Treppen, offenen Höfen und einer Brücke, die beide Hälften verband. An dieser Brücke hatte sie den ganzen Nachmittag gearbeitet. Dreimal war der dünne Bogen zerbrochen. Jetzt spannte er sich endlich über den Zwischenraum, durchsichtig wie ein Stück Winterluft. Hilda legte den Löffel hin und schob die Platten dicht zusammen. Aus der Heizung unter dem Küchenfenster kam ein trockenes Knacken. Draußen hing die Nacht wolkenlos über den Dächern; an der Fensterscheibe saß bereits ein schmaler Frostrand. Morgen wollte sie den Palast ins erste Sonnenlicht stellen. Nur für einen Augenblick sollte jeder Turm golden werden, bevor sie alles wieder in die Kälte brachte. Sie rückte einen winzigen Zacken zurecht, zog die Schultern hoch und grinste. Noch einmal durchfrieren lassen. Dann wäre ihr Winterbau endlich fertig.

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Das Licht verschwand mitten in der Bewegung. Hilda blieb mit den Fingern am Rand der Platten stehen. Auch das tiefe Brummen des Kühlschranks verstummte. Für einen Moment hörte sie nur das leise Ticken der abkühlenden Heizung. Sie tastete nach dem Lichtschalter und drückte ihn zweimal. Nichts. Im Flur blieb die Deckenlampe ebenfalls dunkel. Durch das Fenster waren keine erleuchteten Wohnungen mehr zu sehen, nur der Mond über schwarzen Dächern. Hilda zog das Gefrierfach auf. Kalte Luft strich über ihre Handgelenke. Sie schob den Palast hinein und schloss sofort wieder, als könnte sie die Kälte damit festhalten. Dann hockte sie sich vor das Gerät und presste die Lippen zusammen. Ohne Strom würde es nicht weiterkühlen. Die Wohnung war noch warm, und bis zum Morgen lagen viele dunkle Stunden vor ihr. Sie öffnete das Fach einen Spalt. Unter dem niedrigsten Turm glänzte bereits ein Wassertropfen, der beim Bauen entstanden war. Hilda schloss hastig wieder. Sie durfte nicht dauernd nachsehen und dabei die Kälte herauslassen. Mit der Handfläche gegen die geschlossene Tür suchte sie nach einem Ausweg. Ihr Blick wanderte zum Fenster. Der Frost dort war breiter geworden. Draußen gab es Kälte. Sie musste den Palast nur rechtzeitig dorthin bringen.

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Hilda zog die Balkontür auf. Die Nachtluft biss in die warme Wohnung, und vom Geländer stieg ein feines Knacken auf, als würde die Kälte winzige Nüsse zerdrücken. Sie räumte den Weg frei, holte den Palast und trug die beiden dicht aneinanderliegenden Platten mit ausgestreckten Armen durch das Wohnzimmer. Jeder Schritt musste gleichmäßig sein. Zwischen den Türmen zitterte Mondlicht. An der Balkontür blieb sie hängen. Nicht mit den Füßen. Mit dem Palast. Die beiden Platten nebeneinander waren breiter als die Öffnung. Hilda schob sie vorsichtig schräg, doch die hohen Türme kamen dem Rahmen gefährlich nahe. Weiter kippen konnte sie nicht: Die unbefestigten Eisstücke würden abrutschen. Sie stellte alles unmittelbar vor der Schwelle ab und kniete sich daneben. Ein Tropfen fiel auf das Holz. Dann noch einer. Vielleicht konnte sie eine Platte zuerst hinausschieben und die andere nachziehen. Sie versuchte es mit wenigen Millimetern. Sofort knackte die Brücke. Hilda zog die Hände zurück und klemmte sie zwischen die Knie. Der feine Riss lief mitten durch ihren schönsten Bogen. Wenn sie weiterzog, brach er auseinander. Wenn sie nichts tat, würde bald der ganze Palast zusammensinken. Sie beugte sich so tief hinunter, dass die Kälte des Eises ihre Wangen streifte. Es gab keinen Weg, alles heil hinauszubringen.

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Hilda holte einen Teelöffel aus der Küche und setzte sich auf den Wohnzimmerboden. Sie legte ihn neben sich, ohne ihn gleich anzufassen. Die Brücke war nicht irgendein Stück Eis. Sie war der Teil, für den sie immer wieder von vorn angefangen hatte. Hilda fuhr mit einem Finger über den Boden zwischen den Platten, genau unter dem durchsichtigen Bogen. Dann nahm sie den Löffel. „Die Brücke oder alles“, sagte sie in die stille Wohnung. Sie schob die runde Kante unter den bereits gerissenen Ansatz und drückte. Ein trockenes Knipsen. Der Bogen brach in drei Stücke. Hilda verzog den Mund. Trotzdem legte sie die Bruchstücke beiseite und trennte die Platten. Jetzt passte jede einzeln durch die Tür. Sie trug zuerst die eine Hälfte hinaus, dann die andere. Das kalte Metall klebte beinahe an ihren Fingern. Auf dem Balkon stellte sie beide Teile dicht zusammen, aber zwischen den Höfen blieb eine Lücke. Als sie die Hände endlich wegnahm, kroch etwas Silbernes über das Eis. Kein Wasser: Frost, der sich entgegen der Schwerkraft nach oben verzweigte. Er lief über Treppen und Türme und spannte hauchdünne Fäden in die leere Mitte. Hilda ging in die Hocke. Die zerbrochenen Brückenstücke ließ sie drinnen liegen. Sie wollte sehen, was ohne sie entstehen würde.

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Die Frostfäden wurden nicht zu einer neuen Brücke. Sie wuchsen höher, teilten sich und bildeten ein offenes Dach über der Lücke. Jeder Zweig trug winzige Kristalle. Wenn Hilda den Kopf bewegte, wechselten sie von Silber zu blassem Blau. Sie streckte eine Hand darüber aus, ohne sie zu berühren. Auf der Balkonbrüstung glitzerte derselbe Frost, doch nur über ihrem Palast schwebten die feinen Verästelungen frei in der Luft. Hilda zog einen Hocker aus der Wohnung heran und setzte sich daneben. Ihre Finger steckte sie unter die Arme. Aus dem Inneren der Eistürme kam ein leises Klingen, kaum lauter als das Anschlagen eines dünnen Glasrandes. Irgendwann sprang hinter ihr das Licht wieder an. Der Kühlschrank begann zu brummen. Hilda drehte sich um, stand auf und löschte die Wohnzimmerlampe. Dann kehrte sie auf den Balkon zurück. Den Palast ließ sie draußen. Im Mondlicht fehlte die Brücke noch immer. Das würde sie auch morgen tun. Aber die Lücke gehörte jetzt zu etwas, das Hilda vorher nicht hätte bauen können. Sie lehnte die Füße gegen die unterste Strebe der Brüstung und blieb sitzen, bis der Himmel über den Dächern heller wurde. Als der erste goldene Lichtstreifen die Kristalle traf, klatschte sie einmal leise in die Hände.

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Illustration von Seite 4 aus „Marek Clears the Way“ Alter bis 6 Aquarell

Marek Clears the Way

English · Seite 4 von 5

Marek reaches for his truck and rolls it once beside his knee. He wants another turn, but he stops it with his hand. “Night-night, truck,” he says, and puts it in the toy basket. Then he picks up the blocks, one after another, with little wooden clicks. He takes the last one to the basket, leaving a clear path where the toys had been.

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Illustration von Seite 5 aus „Adam and the Thunder Ride“ Alter 7–9 Comic

Adam and the Thunder Ride

English · Seite 5 von 5

By sunset, the rain had stopped. Water drained away from the playground, leaving shiny mud beneath the swings. The climbing bars still stood ready for another day.

Dad made the gate safe with a sturdy stone brace. Then he and Adam climbed to a grassy picnic knoll, where the air smelled of wet leaves.

Dad peeled an orange and passed Adam half. Adam ate a slice, then reached into his empty pocket.

“I’ll miss my rocket,” he said.

Dad rested a hand on his shoulder. “You gave up something you loved to save something you loved.”

Adam leaned against him. Below them, sunset glowed in the last small puddles.

Tomorrow, they could make another rocket. Tonight, Adam raised an orange slice toward Dad, and they tapped their slices together.

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Illustration von Seite 4 aus „Hilda und der Sofakollaps“ Alter 10+ Bleistiftzeichnung

Hilda und der Sofakollaps

Deutsch · Seite 4 von 5

Hilda schob den Mopp weit weg. Dann kniete sie vor dem Turm nieder, an dem sie den halben Vormittag gebaut hatte. Sie legte beide Hände auf das oberste Polster, nahm sie wieder herunter und trommelte kurz auf ihre Knie.

Der Turm war der beste Teil gewesen. Hoch, völlig unnötig und deshalb großartig.

Aber unter einem großartigen Turm konnte man offenbar nicht gemütlich sitzen.

„Du wirst jetzt ein Erdgeschoss“, sagte Hilda.

Sie nahm das oberste Polster ab. Dann das nächste. Bei jedem wurde der Turm kleiner und der Platz neben ihr voller. Schließlich lag auch das letzte Polster unten. Hilda musste kurz schlucken, bevor sie weitermachte.

In der Essecke löste sie die schwere Überdecke von einer Stuhllehne. Der raue Stoff schabte über ihre Finger. Statt ihn wieder hochzuziehen, faltete sie ihn zusammen und legte ihn beiseite.

Mit den ehemaligen Turmpolstern baute sie niedrige Seitenwände. Darüber spannte sie nur das leichte Betttuch. Sie rückte alles so lange zurecht, bis sie im Inneren sitzen konnte, ohne das Dach mit dem Kopf anzuheben.

Keine Zinnen mehr. Kein hoher Aussichtspunkt. Dafür blieb der Eingang offen.

Hilda kroch hinein, drehte sich um und kroch wieder hinaus. Einfach so. Sie grinste dem freien Durchgang entgegen.

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